Der Stapel neben der Waschmaschine – warum „eigentlich“ so schwer wiegt

Neben der Waschmaschine liegt ein Stapel frischer Wäsche. Er liegt dort seit elf Tagen. Du steigst jeden Morgen daran vorbei, nimmst dir bei Bedarf ein Socken heraus und denkst: „Eigentlich leg ich das heute Abend zusammen.“ Am Abend liegt er immer noch da. Er ist nur ein bisschen kleiner geworden, weil du inzwischen die Hälfte wieder angezogen hast.

Vielleicht ist es bei dir nicht die Wäsche. Vielleicht ist es der Zahnarzttermin, den du eigentlich schon lange ausmachen wolltest. Die Laufschuhe, die eigentlich wieder öfter zum Einsatz kommen sollten. Das Gespräch mit der Chefin, das du eigentlich längst führen müsstest. Die Liste ist bei den meisten Menschen erstaunlich lang. Und sie hat eine Gemeinsamkeit: Man weiß genau, was zu tun wäre. Man tut es nur nicht.

Ein Wort mit eingebauter Handbremse

„Eigentlich“ ist ein kleines Wort mit großer Wirkung. Es sagt: Ich weiß es. Ich sehe es. Ich habe es mir vorgenommen. Und gleichzeitig sagt es: Aber nicht jetzt.

Das Tückische daran ist, dass sich „eigentlich“ schon ein bisschen nach Erledigen anfühlt. Wer „eigentlich sollte ich“ sagt, hat das Problem immerhin erkannt. Das beruhigt. Es gibt einem das Gefühl, die Sache im Griff zu haben, ohne sie anfassen zu müssen. Die Wäsche wird davon allerdings nicht zusammengelegt.

47 offene Apps

Kennst du das, wenn das Handy am Nachmittag schon fast leer ist, obwohl du kaum telefoniert hast? Oft liegt es an den vielen Apps, die im Hintergrund weiterlaufen. Man sieht sie nicht, aber sie ziehen Strom.

Mit unerledigten Vorhaben ist es ähnlich. Jedes „eigentlich“ läuft irgendwo im Hintergrund mit. Beim Einschlafen fällt dir der Zahnarzt ein, beim Einkaufen das Gespräch mit der Chefin, beim Anblick der Laufschuhe das schlechte Gewissen. Viele Menschen beschreiben genau dieses Gefühl: nichts Großes getan und trotzdem erschöpft. Ein Teil dieser Müdigkeit kommt nicht vom Tun, sondern vom Nicht-Tun.

Das ist eigentlich eine gute Nachricht. Denn es bedeutet, dass schon ein einziger erledigter Punkt spürbar Energie zurückbringt. Eine App weniger im Hintergrund.

Warum der große Plan oft das Hindernis ist

Wenn wir uns endlich aufraffen, dann meistens gründlich. „Ab Montag“ wird alles anders: die ganze Wohnung ausmisten, dreimal pro Woche laufen, jeden Abend eine halbe Stunde für die Weiterbildung. Der Montag ist statistisch gesehen vermutlich der produktivste Tag der Woche, zumindest in unseren Vorsätzen.

Das Problem am großen Plan ist, dass er groß ist. Je größer der erste Schritt, desto höher die Hürde, ihn zu gehen. Und je höher die Hürde, desto verlockender wird es, auf den richtigen Moment zu warten. Der kommt aber selten von selbst. Dazu kommt ein leiser Anspruch, es gleich ordentlich zu machen. Wenn schon, dann richtig. Mit diesem Satz sind schon viele gute Vorhaben freundlich eingeschlafen.

Warum wir so oft zwischen Wissen und Handeln stecken bleiben, habe ich auf meiner Website unter Vom Eigentlich ins Tun kommen genauer beschrieben. Hier geht es um die Frage, was im Alltag konkret hilft.

Niemand sprintet kalt vom Sofa weg

Wer Sport macht, kennt das: Die ersten Minuten sind die zähesten. Die Muskeln sind steif, der Atem findet seinen Rhythmus noch nicht, und der Kopf fragt, warum man sich das eigentlich antut. Nach zehn Minuten ist es meistens anders. Der Körper ist warm, die Bewegung läuft fast von allein.

Mit dem Anfangen ist es genauso. Wir warten gern darauf, dass die Lust kommt und uns dann ins Tun trägt. In Wahrheit kommt die Lust oft erst, wenn wir schon angefangen haben. Nicht Motivation führt zur Handlung, sondern häufig die Handlung zur Motivation. Wer darauf wartet, sich bereit zu fühlen, wartet manchmal sehr lange.

Deshalb ist die wichtigste Frage nicht: Wie motiviere ich mich? Sondern: Wie mache ich den Anfang so leicht, dass ich keine Motivation dafür brauche? Bewegung kann dabei übrigens mehr, als man denkt. Oft reicht es, einmal aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen, damit auch im Kopf etwas in Gang kommt.

Der lächerlich kleine erste Schritt

Der erste Schritt darf so klein sein, dass er fast lächerlich wirkt. Genau darin liegt seine Stärke. Ein paar Beispiele:

  • Nicht die ganze Wäsche zusammenlegen, sondern ein einziges T-Shirt.
  • Nicht laufen gehen, sondern die Laufschuhe anziehen. Was danach passiert, ist offen.
  • Nicht den Zahnarzttermin ausmachen, sondern die Telefonnummer heraussuchen und ins Handy speichern.
  • Nicht das schwierige Gespräch führen, sondern den ersten Satz aufschreiben, mit dem du es beginnen würdest.

Zwei Dinge machen solche Schritte noch leichter. Das erste ist ein fester Anlass: „Wenn ich morgen früh den Kaffee aufsetze, lege ich ein Wäschestück zusammen.“ So musst du nicht jedes Mal neu entscheiden, du hängst das Neue einfach an etwas an, das ohnehin passiert. Das zweite ist die Umgebung. Laufschuhe, die neben der Wohnungstür stehen, werden öfter angezogen als Laufschuhe, die im Kasten liegen.

Der Zwei-Minuten-Anfang

Diese Übung dauert keine fünf Minuten. Du brauchst einen Zettel und einen Stift.

  1. Schreib drei Dinge auf, die du „eigentlich“ schon länger erledigen wolltest.
  2. Wähle eines davon aus. Nicht das wichtigste, sondern das, bei dem es dir am leichtesten fällt, anzufangen.
  3. Überlege dir einen ersten Schritt, der höchstens zwei Minuten dauert. Wenn er länger dauert, mach ihn kleiner.
  4. Tu es jetzt. Nicht morgen, nicht heute Abend, jetzt.
  5. Schreib danach einen Satz dazu, wie es sich angefühlt hat.

Wenn du danach weitermachen willst, mach weiter. Wenn nicht, ist es auch in Ordnung. Du hast etwas getan, und das zählt mehr, als es zunächst aussieht.

Was ein erledigtes T-Shirt mit Selbstvertrauen zu tun hat

Jeder erledigte kleine Schritt ist mehr als ein abgehakter Punkt. Er ist ein Beweis. Ein Beweis dafür, dass du etwas bewegen kannst, wenn du willst. Dieses Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit wächst nicht durch gute Vorsätze oder motivierende Sprüche. Es wächst durch Erfahrungen. Und kleine Erfahrungen zählen dabei genauso wie große.

Das verändert mit der Zeit auch die Art, wie man auf neue Aufgaben schaut. Wer einige Male erlebt hat, dass der Anfang leichter war als gedacht, geht an das nächste „eigentlich“ anders heran. Nicht mit dem Gefühl, einen Berg vor sich zu haben, sondern mit der Frage: Was ist hier das eine T-Shirt?

Vom Eigentlich zum Endlich

Der Stapel neben der Waschmaschine ist kein Charakterfehler. Er ist ein ganz normales Zeichen dafür, dass zwischen Wissen und Tun eine Lücke liegt. Diese Lücke haben alle Menschen, manche bei der Wäsche, manche bei der Gesundheit, manche bei großen Lebensentscheidungen.

Vielleicht ist es deshalb hilfreich, das Wort „eigentlich“ nicht als Vorwurf zu hören, sondern als Hinweis. Es zeigt dir, wo etwas auf dich wartet. Vom Eigentlich in die Wirksamkeit bedeutet nicht, alles auf einmal anzupacken. Es bedeutet, heute ein T-Shirt zu falten.

Wenn es bei dir nicht um Wäsche geht, sondern um größere Fragen, die schon lange im Hintergrund laufen, kann ein Gespräch von außen helfen, den ersten Schritt zu finden. Wie ich Menschen dabei begleite, steht unter Coaching und Lebensberatung. Ein kostenloses Erstgespräch ist ein möglicher Anfang, und er dauert länger als zwei Minuten, versprochen.

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