Pssssstttttt – sei doch mal still!

Unsere Welt ist laut geworden! Überall und laufend werden wir bewusst oder auch unbewusst in unterschiedlichsten Frequenzbereichen beschallt. Wir sind rund um die Uhr umgeben von Geräuschen, Ablenkungen und irgendwelchen Störquellen. Echte Stille ist tatsächlich selten geworden. In unserer heutigen Zeit investieren wir sogar diesen Luxus genießen zu dürfen. Nicht wenige unter unsergleichen sucht inzwischen die Abgeschiedenheit und buchstäbliche Auszeit, um in der Stille Kraft zu tanken. Ein paar Tage in der Therme, Urlaub auf einer Alm – ohne Handy und TV Empfang, das muss man sich mal vorstellen, oder auch Hotels und Klöster, in denen Gäste ihr Handy am Empfang abgeben, sind inzwischen ein eigenes recht lukratives Geschäftsmodell!

Der Gedanke dahinter ist aber der richtige: Tatsächlich brauchen wir die Stille für unsere Gesundheit ebenso wie für unser Gehirn. Das bestätigen gleich mehrere Studien…

Photo by Mateusz Sau0142aciak

Was ist Stille?

Die Stille (von althochdeutsch stilli: ohne Bewegung, ruhig, ohne Geräusch) bezeichnet in der deutschen Sprache die empfundene Lautlosigkeit, Abwesenheit jeglichen Geräusches, aber auch Bewegungslosigkeit. Ihre umgangssprachliche Steigerung ist die Totenstille. Gegenbegriffe sind GeräuschLärm und Ähnliches. Stille ist bedeutungsverwandt, aber zu unterscheiden vom Schweigen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Stille

Der Begriff der Stille bezeichnet die Abwesenheit von Geräuschen aller Art, oder kurz: Lautlosigkeit, zumindest eine empfundene. Die maximale Steigerung davon ist die umgangssprachliche „Totenstille“. Keine Geräuschkulisse, absolut nichts ist zu hören.

Seien sie mal ganz leise! Pssst! Genau, hören sie es auch? In unserer Zeit und aktuellen Umwelt ist eine komplette Stille fast gar nicht mehr möglich. Irgendwelche Geräusche gibt es immer, das ticken der Uhr, der Nachbar beim Mähen, die Straßenbahn, manchmal sogar regelrecht Lärm. Kollegen, Telefone, Nachbarn, Autos, Züge, Flugzeuge, Baustellen, Laubbläser, Rasenmäher – alles Lärmquellen. Manche Dinge nehmen wir mit der Zeit nur mehr weniger bewusst wahr. Die Geräusche stören dennoch. Nicht umsonst gibt es in Österreich eine Lärmschutzverordnung. Schon aus dem Grund ist Stille für uns und unser Gehirn viel wichtiger als viele annehmen. „Stille, Ruhe, Frieden“ – dieser Dreiklang bildet damit auch keinen Zufall.

Die Formen der Stille

Wir unterscheiden zwei Arten der Stille :

  • Bewusst selbstgewählte Stille – in Form einer ruhigen Umgebung und bei Abwesenheit von störenden Geräuschen wirkt auf die meisten Menschen beruhigend und entspannend. Diese Stille fördert nicht nur unser Wohlbefinden, sondern steigert auch unsere Leistungsfähigkeit und Konzentration enorm.
  • Absolute Stille – wird von uns Menschen über einen längeren Zeitraum dagegen als unangenehm, teils sogar beklemmend und beängstigend wahrgenommen – insbesondere wenn sie länger anhält. Nicht ohne Grund wird diese Form der Isolation und Stille auch bei Verhören oder als („weiße“) Folter und zur Gehirnwäsche eingesetzt. Die Opfer erleben dabei teils Denkstörungen und Halluzinationen.

Stille und absolute Ruhe sind für uns schon immer wichtig. Ihre Bedeutung sinkt nur leider im gleichen Maß wie das Bedürfnis dafür wiederum wächst. Höchste Zeit also, sie wieder mehr in unser Bewusstsein zu rücken.

Die Wichtigkeit der Stille

Eigentlich suchen wir sogar intuitiv, wie z.B. in brenzligen Situationen die Stille. Meist eher unbewusst. Wenn es uns nicht gut geht, wir krank sind, genau dann wollen wir einfach unsere Ruhe haben und ziehen uns eventuell zurück. Bei Liebeskummer, oder um sich einfach besser konzentrieren zu können, bei Müdigeit, Erschöpftheit, Stress,.. Getrieben durch unseren mittlerweile gewohnten Geräuschpegel machen Menschen zeitweise genau das Gegenteil. Sie drehen die Musik auf volle Lautstärke, der Fernseher oder Radio läuft im Hintergrund, etc. Viel besser wäre es doch, wenn Sie die Stille nutzen würden – denn das bringt uns ganz bedeutende Vorteile.

Stressabbau

Lärm ist genau genommen nichts anderes als eine Art Luftverschmutzung – nur wesentlich lauter. Studien zufolge gilt sie als moderne Plage und eine der größten Gesundheitsgefahren unserer Gesellschaft. Und tatsächlich zeigt sich, dass Lärm, Stress verursachen, unseren Blutdruck steigen lassen und sogar das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen steigern kann. Laute Geräusche aktivieren die sogenannte Amygdala in unserem Gehirn. Effekt: Die schüttet daraufhin verstärkt das Stresshormon Cortisol aus – mit all den klassischen Nebenwirkungen.

Schon zwei Minuten absoluter Stille wirken Blutdruck senkend und beruhigender als Entspannungsmusik zu lauschen.

Mentale Frische

All die Geräsuche, die ständig auf uns einprasseln sind vor allem eines für unser Gehirn: mehr als ermüdend. Jede aufgenommene Information will eingeordnet und verarbeitet werden. Je mehr Informationen das sind, desto stärker belastet das unseren präfrontalen Kortex und lässt unsere Konzentration rapide abnehmen. Wir leiden dann unter mentaler Erschöpfung.

Den menschlichen Hörsinn können wir nicht bewusst kontrollieren. Unsere Ohren sind immer, permanent auf Empfang gestellt. Im Gegensatz zu anderen Sinnesorganen tun wir uns sehr schwer damit. Wenn wir nichts sehen wollen, machen wir halt einfach die Augen zu; wenn wir nichts riechen wollen, halten wir uns die Nase zu. Aber Ohren zuhalten, möglich aber Stille erreichst du damit nicht! Irgendwie hören wir trotzdem weiter – und sei es nur das Geräusch unserer Hände am Ohr oder wie Oma sagte , das Meeresrauschen. Stille wirkt somit regelrecht erfrischend für Körper und Geist. Die Pause und Ruhe erlaubt unseren Gedanken komplexe Probleme zu durchdenken, Lösungen zu finden, kreativ zu werden, bessere Entscheidungen zu treffen.

Auch hier haben schon wenige Minuten akustische Auszeit einen enormen Effekt. Laut der Attention-Restoration-Theorie (PDF) reicht diese kurze Zeitspanne aus, damit unsere Gehirn sich selbst sortieren kann und all seine sieben Sinne wieder beieinander hat.

Stille verbessert kognitive Leistungen

Vor allem wer regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg die Stille nutzt, verbessert seine kognitiven Leistungen enorm. So konnte zum Beispiel der Psychologe Richard Davidson von der Universität von Wisconsin-Madison schon vor einigen Jahren zeigen, dass Meditationsübungen die Aufmerksamkeit der Versuchsteilnehmer nach nur drei Monaten deutlich schärften: Die Probanden erkannten Zahlen, die zwischen Buchstabenreihen verborgen waren, wesentlich schneller als vor dem regelmäßigen Stille. Sie sind also in der Lage, Informationen schneller und besser zu verarbeiten, wenn Sie über einen längeren Zeitraum Stille in Ihren Alltag einbauen.

Stille lässt das Gehirn wachsen

Auch wenn keinem davon der Kopf platzen wird: Stille regt tatsächlich das Wachstum unserer grauen Zellen an. 2013 gab es eine Studie mit Mäusen, in der der Einfluss verschiedener Geräusche auf die Gehirne der Nager untersucht wurde: Umgebungsgeräusche, besonders hohe Geräusche, Hundejaulen sowie Stille. Eigentlich sollte die Stille nur als Unterscheidungsmerkmal der Kontrollgruppe dienen. Tatsächlich fanden die Forscher, dass zwei Stunden täglicher Stille neue Zellen im Hippocampus der Mäuse wachsen ließ, jener Hirnregion, die mit dem Lernen, dem Gedächtnis und Emotionen verknüpft ist. Die neuen Hirnzellen fanden zudem schnell Anschluss im Restgehirn und konnten Funktionen im System übernehmen.

Stille macht produktiv

Dass Ruhe uns produktiver macht, ist keine Erkenntnis der Raketenwissenschaft. Im Arbeitsalltag aber ist es umso schwerer, die Stille zu suchen und zu finden. Denn dafür müsste man ja – eine zeitlang wenigstens – E-Mails und Whatsapp-Nachrichten ignorieren, das Telefon lautlos stellen und sogar den Bürotratsch in der Kaffeeküche einstellen. Genau das aber sollte man nach Ansicht von Cornelius König von der Uni Saarbrücken einmal pro Tag tun. Eine Studie des Arbeits- und Organisationspsychologen zeigte, dass bei Managern, die eine bewusste Auszeit von E-Mail, Telefon und Bürogespräch nehmen, die Qualität der Arbeit, die in dieser Zeit geleistet wird, merklich steigt.

Mehr noch: Auch den Rest des Arbeitstages würden sie als produktiver und zufriedenstellender wahrnehmen. „Bereits eine Stunde konzentrierte Arbeit ohne Unterbrechung von Mails, Telefon und Kollegen steigert die Qualität von und die Zufriedenheit mit anspruchsvollen Arbeiten deutlich“, so König. Diese „Stille Stunde“ gebe einem das gute Gefühl mit nach Hause, etwas Wichtiges vom Tisch zu haben, was ansonsten durch ständige Ablenkungen liegengeblieben wäre. Aber der Psychologe gibt offen zu, dass das Prinzip der Stillen Stunde in der Praxis nicht immer so leicht umzusetzen ist. Es braucht die nötige Selbstdisziplin und bei Mitarbeitern natürlich Möglichkeit und Erlaubnis, für eine Stunde eingehende Anrufe auf stumm zu schalten.

Stille hält uns gesund

Ganz klar: Lärm ist ein Gesundheitsrisiko. In der Europäischen Union gehen laut WHO-Report Millionen gesunder Lebensjahre verloren. Lärm führt demnach bei Hunderttausenden Europäern zu Herzerkrankungen, Tinnitus, Schlafstörungen und kognitiven Störungen bei Kindern.

Lärmbekämpfung ist in Österreichs Recht eine Querschnittsmaterie und wird jeweils im Zusammenhang mit anderen Verwaltungsangelegenheiten wahrgenommen. Es gibt kein allgemeines Gesetz zum Schutz vor Lärm, sondern zahlreiche Bestimmungen über Lärmemissionen und Lärmimmissionen und kann zwischen den Bundesländern variieren.

Jedoch vor allem Straßenlärm wird als Übeltäter ausgemacht – und der ist allgegenwärtig, auch in vielen Büros. Das kann im Extremfall sogar Ihre Wahl des Arbeitsplatzes beeinflussen: Entscheiden Sie sich – bei ansonsten gleichen Voraussetzungen – für den Job in der Innenstadt oder für den im entlegenen Gewerbegebiet? Für Menschen, die von zu viel Lärm schon krank sind, könnte die Stille des Standorts ein echtes Kriterium sein.

Laut STATISTIK AUSTRIA nennen 64,2 Prozent der Befragten, die sich durch Lärm belästigt fühlen, Straßen-, Schienen- oder Fluglärm als Hauptverursacher der Lärmstörung.

Stille macht uns kreativ

Die Hirnforschung kennt inzwischen das sogenannte Default Mode Network (auch „Ruhezustandsnetzwerk“ genannt). Hinter dem kryptischen Begriff verbergen sich bestimmte Hirnregionen, die vor allem dann aktiv werden, wenn unsere Oberstube gerade nicht viel zu tun hat und nicht sonderlich durch äußerliche Reize stimuliert wird. Es ist wie beim Tagträumen: Wir können dann nicht nur unseren Gedanken beim Wandern und Verklären zusehen – diese bilden auch ständig neue Verknüpfungen. Oder kurz: Wir werden kreativ.

Das Genie Albert Einstein, der Regisseur Woody Allen und die Autorin Joanne K. Rowling waren und sind nicht nur bekennende Fans des Tagträumens. Nach eigenen Angaben verdanken alle drei dem Gedankenschweifenlassen ihre besten Ideen.

Wer dringend eine Lösung sucht, sollte sich genau NICHT darauf konzentrieren, rät zum Beispiel auch der Hirnforscher Andreas Fink. Mithilfe von Hirnscans konnte er zeigen, dass ein langsamer Hirnrhythmus für kreative Prozesse wichtiger ist. In der Stille einfach an nichts denken bietet genug Raum, um sich kreativ mit anstehenden Aufgaben und deren Lösung auseinander zu setzen.

„In der Stille werden die wahrhaft großen Dinge geboren.“

Thomas Carlyle

Es scheint wirklich sher schwierig bis unmöglich, tatsächliche Stille in den hektischen Alltag zu integrieren. Dder Lärm und das Rauschen des Alltags . Die gute Nachricht ist: Ganz so schwierig muss es gar nicht sein! Wir haben ein paar einfache Tipps, mit denen Sie sofort mehr Stille in Ihren Alltag bringen können:

  • Verwenden sie Ohrstöpsel
    Sie brauchen dringend Stille, gerade am Arbeitsplatz oder zuhause, wenn die Nachbarn mit Bohrer und Hammer renovieren? Dann legen Sie sich Ohrstöpsel zu. Stöpsel rein, Lärm aus. So lassen sich klingelnde Telefone, klappernde Tastaturen, tratschende Kollegen oder lärmende Baustellen hervorragend ausblenden. Allerdings kapseln Sie sich damit natürlich von Ihrem Umfeld ab – was nicht unbedingt freundlich, aber in diesem Fall gewollt und notwendig ist.
  • Gehe spazieren
    Gemeint ist hier nicht ein kurzer Gang entlang der Hauptverkehrsstraße oder in der überlaufenen Innenstadt. Gehen Sie in den Wald, in ein ruhiges Feld, in einen nahe gelegenen Park, irgendwo in die Natur, wo Sie höchstens ein paar Vögel zwitschern hören. So ein Spaziergang liefert wohltuende Stille und hilft beim Entspannen.
  • Bewusstes Abschalten
    Das ist in diesem Fall wörtlich gemeint. Telefon, Radio, Fernseher, Computer – machen Sie all die Dinge, die für Lärm um Sie herum sorgen, einfach mal aus. Setzen Sie sich hin und hören Sie der Stille zu. Falls Ihnen das schwer fällt, können Sie auch ein Buch lesen. Wenn Sie regelmäßig die Geräuschkulisse um sich herum ausschalten, erzeugen Sie selbst zusätzliche Stille. Wichtig planen sie dafür tatsähclih Zeit ein in ihrem vollen Terminkalende.r
  • Auf den Rythmus kommt es an
    Zu Stoßzeiten ist es überall besonders laut. Auf den Straßen fahren und quietschen Autos, in vollen Bussen und Zügen wird immer geredet und telefoniert und alle Kollegen erzeugen mehr Lärm als ein Flugzeug. Warum also nicht mal früher ins Büro kommen und die Stille eines noch leeren Büros nutzen? Oder auch abends noch für zwei Stunden bleiben, wenn alle anderen schon weg sind? Wenn es möglich ist, Ihren Rhythmus so anzupassen, können Sie viel häufiger in den Genuss von Stille kommen.
  • Richte eine Ruheoase ein
    Dies ist sowohl im Job als auch zuhause möglich. Ein Raum, der ganz und gar auf die Stille ausgerichtet ist. Hier gilt: Kein Krach, keine Gespräche, kein klingelndes oder vibrierendes Smartphone. Nur Sie und die Stille.
  • Praktizieren sie Alphawalk oder Alphalauf und genießen sie die Meditation in Stille. Erleben sie das Hier und JEtzt ohne Zeitdruck
Stille auf der Straße?

Anregungen zum Thema „Stille“

Es gibt etwas, das Menschen auf der ganzen Welt mit der Vorstellung von Erholung und Frieden verbinden: auf einem hohen Berggipfel oder einem menschenleeren Strand zu stehen – um einfach nur die Stille zu genießen. Das finden fast alle Menschen erholsam und entspannend.

Es ist paradox: Stille erscheint eigentlich wie „nichts“– und wirkt trotzdem so überraschend wohltuend.

Bei der Stille erscheint eigentlich „nichts“ vorhanden – und es wirkt.

Diese paradoxe, aber mächtige Wirkung der Stille können wir auch in unserem Alltag entfalten, indem wir sie in unser Leben hineintragen, insbesondere auch beim Laufen oder Gehen bzw. in der Meditation. Gerade auch beim Alphalauf geht es um die Wahrnehmung seiner selbst, der Umgebung und der Natur.

Generell sollten wir uns aber immer ganz bewusst auf die Stille einlassen. Es ist eine Fähigkeit die es wieder zu erlernen gilt und uns letztendlich posetives zurückgibt.

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